Gerade traf

ich, mit A. an der Leine, einen Hasen. Der saß, ziemlich mittig, auf dem Weg, spitzte die Ohren und guckte konzentriert (oder verträumt) ins gegenüberliegende Feld. Schwierig zu sagen, was er im Gebüsch dort sah, aber es nahm ihn offenbar völlig in Beschlag. A. war inzwischen schon völlig hibbelig und am ganzen Körper hingerissen. Wir kamen immer näher, das Häschen rührte sich nicht, sondern starrte weiter. Als wir nur noch sieben oder acht Meter entfernt waren, sprach ich das Tier an: „Herr Hase, es ist Zeit.“ Der Hase wendete uns den Kopf zu und blieb ruhig sitzen. Er sah uns und sah uns nicht, so schien es. Als müsse er sich an etwas erinnern, das ihm (weit weit) entfallen war. Endlich durchzuckte es ihn doch.  Er nahm die Beine in die Hand – und verschwand.

Mittagspause und

ich liege  auf einer Parkbank. Gegen das Blau des Himmels wirkt das Laub der Bäume fast schwarz. Die Wolken, eine trockengefallene Sandbank mit tief ausgewaschenem Refief.

Ohnmacht ist, diesen Planeten nicht verlassen zu können. Geschweige denn das Sonnensystem, oder das Universum. Ich fotografiere den Himmel. Dann schieße ich ein paar Selfies.

Ich kann ja nicht mal aus meiner Haut.

The Making of „Fake News“

Im Bus schräg hinter mir sitzt eine Mutter mit ihrer Tochter. Das Mädchen ist vielleicht vier, fünf Jahre alt. Die Mutter redet mal betont freundlich mit ihrer Tochter („Was meinst du, mein Schatz?“) oder verfällt umstandslos in einen rüden Drohton („Wenn du nicht SOFORT den Scheißknopf lässt, mein Fräulein!“).

Irgendwann sagt die Mutter mit gesenkter Stimme: „Wenn dich jemand fragt, dann hast du bei Oma geschlafen.“ Das Kind schweigt. Mutter: „Ich rede mit dir, Fräulein. Hast du mich verstanden?“ Das Kind schweigt. Die Mutter: „Wo hast du geschlafen?“ Das Kind schweigt; nach eine Weile flüstert es: „Bei Oma.“ Mutter: „Gut.“

Die Sonne

scheint auf mich!

Da jubelt einer im mir; so sehr; dass ich in meiner Brust ein Ziehen spüre. Nein, ein Weh aka süßer Schmerz. (… und dieses Licht soll ich sein …; Zuckowsky, Der kleine Tag)

Ich kaprioliere; dabei geht gar keine Windin um.

Neulich

hatte ich mir ein paar Sätze erobert, die mir mein Faible für Haruki Murakami erklären sollten. Ich erinnere mich, dass mir meine Beschreibung treffend erschien. Und ich den Heimweg vom Bahnhof beschwingt unternahm. An mehr erinnere ich mich nicht. Das liegt nicht an Murakamis Neigung, sich der Betrachtung zu entziehen. Es liegt an meinem Gedächtnis.

Neulich war genau genommen gestern Abend. Von meinem Gedankengang bekomme ich nur noch zu fassen, dass er mir erhellend vorkam.

Ich sitze jetzt in einem kleinen Restaurant. Ich war hungrig und habe mir eine Bruschetta mit reichlich Tomaten und Ruccola und der genau richtigen Menge Olivenöl gegönnt. Ich wusste von einem zurückliegenden Besuch, dass ich die Bruschetta hier so erwarten darf. Die Vorstellung, am Tisch meine gestrigen Murakami-Gedanken zu Papier zu bringen, hatte großen Anteil daran, überhaupt herzukommen. Sie war angenehm und passte zu dem Gefühl, da irgendwie mal ins Schwarze getroffen zu haben. Aber bereits auf dem Weg ins Restaurant wusste ich, dass mir der Coup misslingen würde. Schon den ganzen Tag war da diese Fahrigkeit in meinem Kopf. Wie ein Lufteinschluss, der sich zwischen meine Gedanken und mir geschoben hatte. Diese Art, mich selbst zu erleben ist nicht neu. Sie ist vielmehr die Regel.

Das längliche Stück Eis in meinem Whisky erinnert mich an eine Zelle, die man durch ein Mikroskop betrachtet. Ihre Größe und Nähe ist dabei nichts weiter als eine Täuschung. Ganz abgesehen davon, dass ich auf einen Eiswürfel in meinem Whisky starre und nicht durch das Okular eines Mikroskops.

Im Augenwinkel sehe ich das Licht eines vorbeifahrenden Autos über den Fußboden des Lokals huschen. Der Schemen einer Katze, die zwischen den Stühlen nach einem Versteck sucht. Aber dort ist keine Katze. Wenn ich nach Hause gehe, werden dort auch keine Schlangen durchs Gebüsch schlängeln. Nichts wird so sein, wie es sein könnte. Alles wird so sein, wie es ist.

Eins zwei drei vier

Eckstein, alles muss versteckt sein, hinter mir und vorder mir gildet nicht –

ich gehe nach Hause. (Übrigens hab ich immer schon neugierig & gern einen Blick von der Straße in meine Wohnung geworfen. In der Hoffnung, die Außenwahrnehmung könnte etwas enthüllen, das die innenwändig erlebte Loremipsigkeit in ganz anderem Licht erscheinen ließe. Just another pirouette.)

Zurück, halbwegs

Ich staune, wie sich die Gegend auf der Rückreise am Abend tatsächlich in akkurat umgekehrter Reihenfolge aufreiht; und die Zeit derweil ohne mit der Wimper zu zucken voranstampft